Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick (Demo) (C) 2020zur Übersicht
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Melodie, Arrangement, Instrumente: Ragin; Gesang: Eira; Text: Hermann Ritter
9:38

Mein Wagen lag am Straßenrand,
weit draußen in der Walachei.
Die Gegend war mir unbekannt,
die Karte hatt‘ ich nicht dabei.

Drum stieg ich aus und schritt voran;
die Dämmerung hernieder fiel.
Wie dankbar war ich endlich dann -
ein Wirtshauslicht wurde mein Ziel.

Ein Hammer hing als Zeichen dort.
Die schwere Holztür drückt‘ ich auf,
beäugte kritisch diesen Ort,
die Hand noch sichernd fest am Knauf.


Einäugig funkelte der Wirt
mich an mit seinem glühend‘ Blick,
und murmelt leis, doch hör‘ ich’s wohl:
„Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“


An den Tischen – zwanzig Mann,
und Schweigen liegt wie schweres Tuch.
Zwanzig Gesichter schau‘n mir zu,
schweigend – wie unter einem Fluch.

„Mein Wagen“, wispere ich leis,
und schreite forsch der Theke zu.
Die Maid taucht auf – „Heut‘ keine Speis!“
und klappt dabei die Karte zu.

„Ein Bier – und dann ein Telefon?“
„Beides führen wir hier nicht!“
Ich schau mich um und fühle schon
verdutzt entgleist mir mein Gesicht.


Grollend spricht der große Wirt:
„Mit sowas habt ihr hier kein Glück!“
Wendet den Blick und spricht zu sich:
„Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“


„Was habt ihr denn für einen Mann,
der verloren und durstig vor euch steht?“
Der Wirt schaut nachdenklich mich an.
„Verloren … ach … wir haben Met.“

Wie Eis, das laut und krachend bricht,
erhellen Mienen sich im Raum.
Aus manchen Augen bricht ein Licht,
so hell – ich kannte so was kaum.

Ein Grummeln hier, und dort ein Klang,
wie ein erster Ton der Melodie
die mein Vater leise sang,
als ich schlief auf seinem Knie.


Lächelnd fast der alte Mann,
aus einem Auge bricht ein Blick,
der mich berührt, und er spricht laut:
„Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“


Bald kamen die ersten und tranken mir zu,
ein Becher mit Met stand auf einmal vor mir.
Wir sprachen, wir tranken, und wie im Nu
wechselten wir vom „Euch“ zum „Dir“.

Vergessen mein Unglück, vergessen die Nacht,
die draußen die Menschen in Alpträume treibt.
Und langsam das Reden, das Singen erwacht,
die Erinnerung an die Sagen mir bleibt.

Die Stunden verschwinden in fröhlicher Schar.
„Wer sind diese Menschen?“ Vergessen die Frag‘.
Ich schwöre nur, es war alles wahr,
wir endeten erst, als klopfte der Tag.


Ein Auge, es blitzte nun unter ‘nem Hut –
er sprach: „Geht heim, genießt euer Glück.
Der Wagen ist heil und ihr seid es auch.
Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“


http://homomagi.de/lyrik.htm

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