Der "Schneiderberg" Baalberge bei Bernburg (Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)



Koordinaten: 51°46'03.94" N, 11°47'46.56" O (Google Maps öffnet sich in einem neuen Fenster)


Nördlich des Ortskerns von Baalberge erhebt sich inmitten einer Kleingartensparte der "Schneiderberg".
Als historisches Monument wurde dieser mächtige Grabhügel schon zu Beginn des 18. Jh. wahrgenommen (Beckmann 1710). In dieser Tradition stehend, hatte sich der Bernburger Altertumsverein unter der Leitung von F. Kälber (Bernburg) im Jahre 1901 dazu entschlossen, den Hügel zu öffnen. Dies sollte vollständig geschehen, doch schränkte ein auf der Kuppe befindlicher trigonometrischer Meßpunkt das Vorhaben ein.

Abb. 1 Ferdinand Kälber präsentiert die mächtige Deckplatte der Grabkammer des "Schneiderberges" (1901).

Somit musste man sich mit Suchschnitten begnügen.         Glücklicherweise war Paul Höfer (Wernigerode) an den Ausgrabungen beteiligt, denn aus seiner Feder stammt der einzige umfangreiche Bericht (1902).                    
Das steinplattengeschützte Zentral- grab enthielt eine Bestattung mit einer Kanne vom "Baalberger" Typus      (Abb. 3), wie ihn Niklasson 1925 erstmals bezeichnete. Allerdings war bis nach dem 2. Weltkrieg die chronologische Stellung der "Baalberger Gruppe" nicht sicher. Erst die Monographie von Preuß (1966) schuf hier Klarheit. Nach Linienbandkeramik und Rössener Kultur gehört die "Baalberger Gruppe" zu den ältesten neolithischen Kulturerscheinungen in Mitteldeutschland. Als namengebender Fundort nimmt damit der Baalberger "Schneiderberg" einen herausragenden Stellenwert ein.
Spätere Gräber wurden im "Schneiderberg" von der Walternienburger Kultur, der Kultur mit Schnurkeramik und in der Bronzezeit angelegt.

Obiger Text und Bildunterschriften: Gall, Fabian; Steinzeitlandschaft Latdorf; KLEINE HEFTE zur Archäologie in Sachsen-Anhalt; Heft 1/2003, Seiten 8-9.

Mit dem Vorschlaghammer rückte man der Baalberger Grabkammer zu Leibe (1901). Abb. 2

Früher befand sich bei der Windmühle im Südosten des Ortes noch ein weiterer Grabhügel, der heute aber abgetragen ist. Diese beiden "Baalberge" gaben dem Ort seinen Namen.

Der Schneiderberg Baalberge befindet sich innerhalb einer Kleingartenanlage. Von Bernburg kommend folgt man zunächst der Hauptstraße und verlässt diese dann an der ersten leichten Rechtskurve, indem man geradeaus in die Umgehungsstraße fährt.
Hinter dem zweiten Haus auf der linken Seite biegt man links ab und fährt dann geradeaus weiter, bis zum Eingang der Gartenanlage. Dort kann man parken. Der Grabhügel befindet sich dann einige Meter weiter.

Abb. 3 Baalberger Kanne und Tasse aus dem "Schneiderberg".

Abbildungen 1-3 mit freundlicher Genehmigung: Archiv LDA Sachsen-Anhalt, in: Gall 2003







Fotos: R. Möws 04/2010