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Seite zuletzt geändert am: 21.01.2012, 12:01 |
Großsteingräber
in Mecklenburg-Vorpommern - Entstehung und kulturgeschichtliche
Bedeutung
Die während der Jungsteinzeit in Mecklenburg-Vorpommern lebenden Menschen errichteten für die verstorbenen Mitglieder ihrer Familien mächtige Grabmonumente. Diese bilden noch heute markante Bestandteile der Kulturlandschaft. In den flachen norddeutschen Gebieten wirken sie oft wie Berge oder Felsen und sind unübersehbare Geländemarken. Nachdem die Menschen zu Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. ihre traditionelle Lebensweise als Jäger, Fischer und Sammler aufgeben hatten, sesshaft geworden waren und in zunehmendem Maße Viehhaltung und Ackerbau betrieben, begannen sie um 3500 v. Chr. mit der Errichtung von Großsteingräbern. Innerhalb weniger Jahrhunderte entstanden im heutigen Mecklenburg-Vorpommern weit über 1000 Anlagen dieser Art. Die ältesten Großsteingräber in Mecklenburg-Vorpommern enthielten lediglich eine kleine Grabkammer, die aus vier Wandsteinen und einem Deckstein bestand. Sie war mit einem runden Hügel aus Erde oder kleinen Feldsteinen bedeckt. Es wird angenommen, dass in diesen allgemein als Dolmen bezeichneten Anlagen lediglich die Familienoberhäupter bestattet wurden, während die anderen Menschen in einfachen Erdgräbern zur letzten Ruhe gebettet wurden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Architektur der Großsteingräber immer weiter entwickelt und ihre Funktion erweitert. Die zentrale Grabkammer wurde immer größer (erweiterter Dolmen, Großdolmen) und konnte durchaus 20 bis 30 m² Grundfläche einnehmen. Die Kammer war von einem Erdhügel bedeckt bzw. von einer rechteckigen, mit Erde gefüllten Steinsetzung umgeben („Hünenbett“). In einem Hünenbett konnten sich auch mehrere Grabkammern befinden In der Regel führte ein aus Gesteinsblöcken gebildeter, verschließbarer Gang zur Grabkammer. Deshalb werden solche Anlagen häufig als Ganggräber bezeichnet. Bei der Untersuchung der jüngeren Großsteingräber wurden wiederholt Überreste von mehreren Menschen entdeckt, so dass deutlich wird, dass hier gleichermaßen und nebeneinander Männer, Frauen und Kinder bestattet worden waren. Großsteingräber werden deshalb allgemein als Kollektivgräber einer Familie, Sippe oder Siedlungsgemeinschaft gedeutet. Ob die jeweilige Grabkammer jedes Mal geöffnet wurde, wenn eine Person verstorben war, oder ob die Toten zunächst in einfachen Erdgräbern bestattet und später im Rahmen spezieller Riten in die Ganggräber umgebettet wurden, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Die Großsteingräber haben seit dem Mittelalter in hohem Maße die Fantasie der Menschen angeregt. Vor allem die erheblichen Gewichte der mächtigen Gesteinsblöcke führten dazu, dass man annahm, sie seien Teufelswerk oder von Hexen, Trollen oder Riesen (Hünen) erbaut worden. Entsprechende Sagen und Legenden sind zu zahlreichen Großsteingräbern überliefert und erklären die heute noch vielerorts verwendeten Flurnamen wie „Teufelsbackofen“, „Hünenbett“ oder „Riesenbett“. Gruppen von gut erhaltenen Großsteingräbern sind vor allem in Waldgebieten und auf Lehmböden erhalten. Als Beispiele seien die Gräber im Everstorfer Forst bei Grevesmühlen oder von Lancken-Granitz und in der Stubnitz auf Rügen genannt.
Die Nummern zu den Gräbern entstammen dem Atlas der Megalithgräber Teil 2 von Ernst Sprockhoff. (auf die Bilder klicken) |
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